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ÜBER EIN HALBES JAHRHUNDERT MAD UND E.C. COMICS 

MAX GAINES , der Vater des MAD - Gründers , war ein Mensch , der in allem möglichen Bereichen immer wieder scheiterte und schliesslich in der Comic-Branche landete. Wobei in den depressiven dreißiger Jahren von einer "Comic-Branche" noch gar nicht die Rede sein konnte. Comics gab es eigentlich nur als tägliche Strips in den Tageszeitungen und als farbige Beilage am Wochenende. GAINES fragte sich nun , ob es nicht auch möglich wäre diese Beilagen auch ohne die störende Zeitung direkt am Kiosk zu verkaufen. Er kam mit einer Firma , die Comic-Hefte als Gratiswerbegeschenke für Firmen produzierte , ins Geschäft. GAINES stellte eine Serie neuer Comic-Hefte zusammen. Hierfür schurf er auch ganz nebenbei das noch heute gültige US-Format. 1934 erschien die erste Ausgabe von FAMOUS FUNNIES und hatte sofort Erfolg. Doch GAINES wurde für seine Bemühungen nicht belohnt , sondern ihm wurde gekündigt. 1944 gründete er daraufhin seinen eigenen Verlag namens E.C. , dessen Kürzel für "Educational Comics" ( also "Erzieherische Comics" ) stand. Im Verlag erschienen denn auch tatsächlich Produkte wie PICTURE STORIES FROM THE BIBLE. 1947 starb MAX GAINES bei einem Bootsunglück und sein damals 25-jähriger Sohn übernahm das Geschäft. WILLIAM M. GAINES war ein Fan von spannenden und pointierten Radiohörspielen. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Zeichner AL FELDSTEIN schuf er mit der Serie CRIME SUSPENSTORIES ein erstes Highlight des Verlages. 1950 versuchten sich die beiden an zwei Horror-Storries namens CRYPT OF TERROR und VAULT OF HORROR , die in zwei Ausgaben der E.C. - Krimi-Comicreihe versteckt wurden.

GAINES und FELDSTEIN waren von dieser Art von Geschichte so begeistert , dass sie sofort mit gleichnamigen Heftreihen starteten. Der Erfolg sollte Ihnen Recht geben und der Verlag mutierte klammheimlich zu ENTERTAINING COMICS. GAINES gelang es weitere talentierte Zeichner um sich zu versammeln. So entstanden neben den Horror-Heften auch Science Fiction-Comics und sehr realistische Kriegscomics. Diese serien namens TWO-FISTED TALES und FRONTLINE COMBAT boten gut recherchierte Stories ohne den Krieg zu glorifizieren und wurden von einem gewissen HARVEY KURTZMAN betreut. Als dieser eines Tages GAINES um mehr Gehalt bat , bekam er eine saftige Gehaltserhöhung versprochen , wenn es ihm gelänge in kürzester Zeit ein wirklich komisches Comic-Heft zusammenzustellen. KURTZMAN schlug den Titel TALES CALCULATED TO DRIVE YOU MAD vor.

Ab 1952 erschien MAD in Form eines üblichen Comic-Heftes. Die ersten drei Ausgaben enthielten Stories , die alle von HARVEY KURTZMAN getextet und von JACK DAVIS , WALLY WOOD , BILL ELDER und JOHN SERVERIN gezeichnet wurden. Hierin machte sich KURTZMAN ausgiebig über Serien des eigenen Verlages lustig. Der Erfolg hielt sich zunächst noch in Grenzen. Doch für die vierte Ausgabe zeichnete WALLY WOOD in beeindruckenden Wimmelbildchen die Parodie SUPERDUPERMAN!. Zum Glück hörte GAINES nicht auf seinen Anwalt , der gleichzeitig für DC arbeitete und ihm vom Veröffentlichen dieses angebliche Plagiats abriet. MAD fuhr in den nächsten Heften fort , populäre Comic-Reihen zu verulken.

Im April 1954 erschien , zeitgleich mit der 10. Ausgabe von MAD , FREDERIC WERTHAMS Buch SEDUCTION OF THE INNOCENT , das nachzuweisen versuchte , dass Comics für die Verführung und Verrohung junger Menschen verantwortlich sind. Der "Erfolg" des Buches war so groß , dass prompt Comic-Verbrennungen organisiert wurden. Etwas Öl in diese Feuer goß GAINES selbst , als er ebenso treffend wie verletzend ausführte : " Dr. Wertham das harmlose Vergnügen an einer Horror-Story begreiflich zu machen , ist ebenso schwierig , wie einer figiden alten Jungfrau die Freuden der Liebe zu erklären ". Auch GAINES Erklärungen , dass die Cover der E.C.-Comics durchaus noch schrecklicher und blutiger hätten ausfallen können , mochte nicht so recht überzeugen. Er musste alle seine erfolgreichen Horror-Heftreihen einstellen , da diese ohne den Siegel des neu formulierten COMIC CODES nicht mehr in den Handel kamen.

MAD hingegen war bisher der Öffentlichkeit nur einmal unangehm aufgefallen (bzw. in den Klassenzimmern garnicht aufgefallen) , als der Umschlag der Nummer 20 genau wie ein Schulheft gestaltet war. GAINES schlug KURTZMAN vor , MAD künftig im Magazinformat herrauszubringen. Dieser war so begeistert und fand herraus , dass bei einem Magazin farbige Seiten nicht unbedingt erforderlich waren und trotzdem der Preis von 10 Cent auf 25 Cent angehoben werden konnte. Außerdem musste ein Magazin sich überhaupt nicht mit dem Comic Code herrumschlagen. Ein weiterer Vorteil war , dass jetzt alle möglichen Unarten des American Way of Life verulkt werden konnten. Dafür verzichtete MAD künftig auf Handlettering und setzte stattdessen Maschinensatz ein um den Magazin-Charakter und dei Bedeutung des gedruckten Wortes zu betonen. Das MAD-Magazin entfernte sich also etwas vom Medium Comic , sprach dadurch aber ein größeres Publikum an. So erschien im Sommer 1955 als Ausgabe 24 THE NEW MAD und die Legende will wissen , dass bereits die Arbeiter in der Druckerei Tränen lachten. Motiviert durch den großen Erfolg und mit dem Angebot vonm "Playboy"-Herrausgeber HUGH HEFNER in der Hinterhand , forderte KURTZMAN , dass MAD ihm künftig 51% gehören solle. GAINES war entsetzt und machte seinen loyalen Freund AL FELDSTEIN zum neuen MAD-Herrausgeber.

Viele verließen das Magazin gemeinsam mit KURTZMAN und HUGH HEFNER promotete sein neues Satire-Blatt TRUMP ( das übrigens nach 2 Ausgaben eingestellt wurde ) sogar damit , dass er behauptete , für ihn arbeitete jetzt die gesamte Belegschaft von MAD. Den Übergang von KURTZMAN zu FELDSTEIN markierte auch ein gewisser ALFRED E. NEUMAN. KURTZMAN hatte eine Postkarte mit dem zahnlückigen Segelohrträger entdeckt , deren Bildüberschrift "What - Me Worry" lautete. Spätere Streitigkeiten um die Rechte ergaben , dass diese Figur bereits seit Ewigkeiten überall auftauchte und keiner wusste warum. KURTZMAN platzierte jedenfalls eine Reproduktion der "What - Me Worry" - Postkarte in der 27. Ausgabe. Die Leserschaft und auch AL FELDSTEIN waren von dem putzigen Kerlchen recht angetan. Daher wurde NORMAN MINGO von FELDSTEIN beauftragt , aus dem Postkartenmotiv eine Identifikationsfigur zu machen und seitdem ist ALFRED E. NEUMAN auf den meisten Titelbildern von MAD zusehen.

FELDSTEIN gelang es zahllose neue Talente anzuwerben , die alle eine eigene umfangreiche Würdigung verdient hätten : etwa DON MARTIN , der Wesen mit ganz krummen Füßen durch das Magazin schlurfen ließ , MORT DRUCKER mit gefürchteten Film-und TV-Parodien , DAVE BERG mit immer treffenden Alltagsbetrachtungen , SERGIO ARAGONES , der schnellste Cartoonist der Welt , AL JAFFEE , das Bastelgenie , das mit seinen Fold-Ins dem "Playboy" und dessen Fold-Outs erhebliche Konkurrenz machte , und der Kubaner ANTONIO PROHIAS , der immer wieder seinen weißen und schwarzen Spion aufeinander hetzte. Seine Serie wird inzwischen von PETER KUPER gezeichnet.

BILL GAINES behielt auch , nachdem MAD bei DC landete , volle Kontrolle über das Heft. Das Magazin florierte und GAINES konnte sich weiterhin erlauben , auf Werbung zu verzichten und sein komplettes Team zu ausgiebigen Reisen in alle Teile der Welt einzuladen. Seit GAINES Tod im Jahre 1992 führt im Auftrage von DC JOE ORLANDO das Magazin und die Gang von Idioten fällt immer noch monatlich , aktuell und treffend über den American Way of Life her.

VERLAGSGESCHICHTE WILLIAMS VERLAG (KLAUS RECHT VERLAG)

"Blast die Posaunen ! Hängt die Fahnen raus ! Und , Freunde , noch so viele Abenteuer stehen uns und Euch bevor ! Um an dieser Stelle mit STAN LEE zu sprechen ! Aber - genug geduasselt und EXCELSIOR. Auf dass auch dieses Jahr ein gewaltiges MARVEL Jahr werde !

(Marvel-Chefredakteurin Kirsten Isele in der Jubiläums - Anzeige der 13. Marvel - Produktion , JANUAR 1975)

Ich fand die Arbeit mit Ihm (Klaus Recht) toll , denn nur ein reicher Verleger ist ein guter Verleger. Mit armen , krebsenden Verlegern kann man nichts Solides machen. Natürlich [...] gab es zwischen uns immer eine Hassliebe. Ich habe ihn für seine Macht gehasst , und er mich für meine für ihn nie erreichbare Genialität. So muss das sein zwischen Verlegern und Machern . Ich habe damals bei MAD mehr , besser und intensiver gearbeitet als heute mit der ganzen Fernsehscheiße

(Der ehemalige MAD  - Chefredakteur Herbert Feuerstein in einem Interview mit der Zeitschrift TITANIC aus dem Jahre 1995)

EINLEITUNG : VOM GEIST DER SUPERHELDEN

Rückblickend gelten die zwischen den Jahren 1974 und 1979 publizierten MARVEL - Heftserien des Hamburger WILLIAMS VERLAGS als richtungsweisend für die deutsche Comic-Branche der neunziger Jahre. Mit ausreichendem zeitlichen Abstand sind die Publikation des WILLIAMS VERLAGS unter ihrem Herrausgeber KLAUS RECHT als inhaltlicher und produktionstechnischer Gegenpol zu den Publikationen des KORALLE VERLAGS , einem Ableger des Hamburger SPRINGER VERLAGS mit den Publikationen ZACK , ZACK BOX , ZACK ALBUM und ZACK PARADE anzusehen. Die "Generation ZACK" mit Ihren frankobelgischen Zeichnern ( HERMANN , TIBET , JEAN GARTON , WILLIAM VANCE , EDOUARD PAAPE , JEAN GIRAUD , ALBERT UDERZO , MORRIS , JEAN-CLAUDE MEZIERES u.a.) , Autoren ( MICHEL CHARLIER , GREG , RENE GOSCINNY , PIERRE CHRISTIN u.a. ) und Serien ( ANDY MORGAN , BLUEBERRY , COMANCHE ; LUC ORIENT ; RICK MASTER ; MICHEL VAILLANT ; BRUNO BRAZIL ; UMPAH PAH ; LUCKY LUKE , VALERIAN & VERONIQUE u.a. ) mündete direkt in die Aktivitäten insbesondere des CARLSEN VERLAGS der achtziger und frühen neunziger Jahre ein , an dessen Erfolgsrezept zahlreiche weitere Verlage wie EHAPA , SCHREIBER & LESER , COMICPLUS , EDITION MODERNE , FEEST und SPLITTER anzuschliessen versuchten. Dagegen waren die Auswirkungen der Williams Comics mit Superhelden- und Horrorserien wie DIE SPINNE ; DIE FANTASTISCHEN VIER ; DIE RUHMREICHEN RÄCHER ; DER HULK ; DER EISERNE ; DIE GRUFT VON GRAF DRACULA , DOKTOR STRANGE - DER MAGIER , DAS MONSTER VON FRANKENSTEIN , GRÜNE LATERNE , HORROR und PLANET DER AFFEN auf die Branche mit deutlicher Verzögerung erst ab Mitte der neuziger Jahre auszumachen. Während insbesondere der Carlsen - Cheflektor ANDREAS C. KNIGGE ab Mitte der achtziger Jahre systematisch und engagiert den deutschen Buchhandel mit klassischen wie aktuellen franko-belgischen Comic - Serien über das hochwertige und höherpreisige Produktionsformat Album bzw. Buch erschloss und die Aspekte "KUNST DER COMICS" und "COMICS FÜR ERWASENE LESER" in eine breite Öffentlichkeit hinein propagierte , gerieten die Leistungen der Williams-Comics erst mit dem ab Mitte der neunziger Jahre beginnenden Boom der wieder erstarkten Heftserien am Kiosk bzw. Bahnhofsbuchhandel ( DINO VERLAG , PANINI , MARVEL DEUTSCHLAND ) in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Bezeichnenderweise hat sich schon in den siebziger Jahren die Polarität bzw. Dualität zwischen den franko-belgischen (oder europäischen) Comic - Genres Abenteuer , Krimi , Historie und Humor auf einen SEite und den amerikanischen Comics mit den Inhalten des Superheldengenres (und ggf. Horror , Fantasy und Science-Fiction) auf der anderen Seite auch in sehr unterschiedlichen Produktionsformen und- wertigkeiten ausgeprägt. Die Superhelden - Comics sind bis heute überwiegend auf das preislich günstige Heftformat ausgerichtet , und haben mit dem minderwertigen Image einer von Pädagogen und Interlektuellen behaupteten , aber nie bewiesenen bedenklichen Wirkung auf junge Leserschichten zu kämpfen. Hingegen waren die in Deutschland publizierten Comics franko-belgischer Herkunft nach der SEMRAU -und KAUKA-Phase der fünfziger und sechziger Jahre spätestens ab den siebziger Jahre hochwertiger produziert , um an die originäre Produktionsform Album , wie sie traditionell in Frankreich und Belgien verbreitet ist , anzuschließen. Der in Deutschland produzierte franko-belgische Comic versuchte in den siebziger Jahren jedoch noch nicht , sich ältere und reifere Leserschichten zu erschliessen. Zu stark war noch das Dogma von der Litaratur für Kinder und das noch von den "Schmutz- und Schund-" Kampagnen der fünfziger Jahre herrührende Verdikt einer minderwertigen Unterhaltungsform. Schon das etwas großformatiger , im Kupfertiefdruck produzierte ZACK und vor allen die dann folgenden und begleitenden Albenformate von ZACK BOX und ZACK ALBUM zeigten eine ganz andere Produkttiefe und -dimention als die auf holzhaltigen , billigen Offsetpapieren gedruckten Marvel-Serien des WILLIAMS VERLAGS.Auch dem als direkten Konkurrenten zum WILLIAMS VERLAG auftretenden EHAPA VERLAG aus Stuttgart mit seinen DC-Superheldenserien um die Charaktere SUPERMAN und BATMAN gelang es nicht , diese Polarität der Wertigkeit aufzuheben. Auch konnte EHAPA nach dem Ende der MARVEL - Serien im WILLIAMS VERLAG ab 1979 diesen Teil des Comic - Marktes weder kommerziell noch publizistisch dauerhaft für sich zu nutzen.

Für einen stärker am Medium Comic interessierten Jugendlichen oder Comic-Fan gab es in den siebziger Jahren am Kiosk , der einzigen Bezugsquelle jener Zeit , die grundsätzliche Kaufalternative zwischen ZACK und den Superhelden der WILLIAMS MARVEL-Comics. Die Heftserien der Marktführer BASTEI (Bessy , Silberpfeil , Gespenstergeschichten , Rex Danny ) und EHAPA (Micky Maus , Donald Duck , Superman/Batman) richteten sich in ihrer anoymen und sterilen Machart stärker an den reinen Gelegenheitskäufer . Sie konnten im Gegensatz zu den Publikationen des WILLIAMS VERLAGS kein Identitätsgefühl und keine Anhängerschaft im engeren Sinne ausprägen , was jedoch kommerziell nachrangig war , da der Markt in den siebziger Jahren noch nicht von Fans , Sammlern und Comic - Spezialgeschäften geprägt war. Erst eine Krise der Überproduktion der hochpreisigen Comic - Alben und -Bücher für eine immer kleiner werdende Schar von Fans Mitte der neunziger Jahre führte zu einer Rückbesinnung auf die Potenziale und den Lesespaß an günstiger produzierten , auflagenstärkeren Superhelden - Comcs im Heftformat.

Diese Entwicklung führte den Verlagen und Redaktionen erstmals auch die fast schon vergessenen publizistischen Errungenschaften und Leistungen des WILLIAMS VERLAGS vor Augen , die zwanzig Jahre zuvor noch nicht ausreichend gewürdigt worden waren. Den Heften des WILLIAMS VERLAGES gelang ab den neuziger Jahren unter den Rahmenbedingungen eines erneuten Interesses an den Inhalten des Superhelden-Comic der so gerne und häufig zitierte Sprung zum "KULT-STATUS" , was eindeutig an der redaktionellen Qualität der ehemals billigen Heftchen lag. Während die direkte Konkurrenz der Comic-Hefte produzierenden Verlage in den siebziger Jahren ihre Publikationen zwar auf besserem Papier drucken und hochwertiger produzieren konnten , hatte sich die Redaktion des WILLIAMS VERLAGS von Beginn an um eine individuellere und vor allem werkgetreue wie historisch authentische Produktion bemüht. WILLIAMS war der erste Verlag in Deutschland , der das mittlerweile anerkannte Handlettering als Standard einführte. Leserbriefseiten , Leserreaktionen und Preisausschreiben , Informationen über die amerikanischen Zeichner und die Comics in den USA , sorgfältige Übersetzungen mit jedoch angemessen eigendem Sprachcharakter , sowie eine sich im Layout wie im redaktionellen Sprachstil ausdrückende direkte Ansprache an den Leser waren in dieser Dichte und Qualität bislang in Deutschland noch nicht produziert worden. Dies führte mit dem hierfür notwenigen zeitlichen Abstand in den neunziger Jahren zu einer nostalgischen Verbrämung wie auch zur objektiven Anerkennung , die bei den Fans von Superhelden-Comics in den letzten Jahren zu einer hohen Wertschätzung der WILLIAMS Comics geführt hat. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich im deutschen Comic - Markt jedoch die lange bestehende Dualität zwischen franko-belgischen Comics im Alben/Buchformat und amerikanischen Superhelden-Heften aufgelöst , da sich mittlerweile eine dritte Form von Comics , die japanischen Mangas mit den Produktionsformen Taschbuch und Paperback , kommerziell auf breitester Front in allen Vertriebskanlen etabliert hat. Im Hinblick auf Verkaufs- und Auflagenzahlen haben die Manga Comics die beiden anderen inhaltlichen Bereiche im Medium Comic in Deutschland deutlich zurück gedrängt und sich vor den Augen einer erstaunten Öffentlichkeit als taugliches Massenmedium für die MTV- und Computerspielgeneration der Zehn- bis Zwanzigjährigen etabliert.

Bei der Betrachtung der Aktivitäten des WILLIAMS VERLAGS wird häufig vergessen , dass der WILLIAMS VERLAG nicht nur für Superhelden - Comics aus dem New Yorker MARVEL - VERLAG steht , sondern einen der größten kommerziellen Erfolge im deutschen Comic publiziert hatte. Unter dem Chefredakteur HERBERT FEUERSTEIN erreichte das von WILLIAMS produzierte deutsche MAD MAGAZIN mit seinen Ablegern in den siebziger Jahren stetig steigende Auflagenzahlen , um in den achtzigern regelmäßig über 300.000 verkaufte Exemplare pro Monat zu erzielen. So wesentlich die Produktion der MARVEL-Comics bei einer Betrachtung ihrer weitreichenden Wirkung für die deutsche Comic - Branche im allgemeinen ist , so bedeutend war das deutsche MAD als Ausdruck eines bestimmten Zeitgeistes und vor allem als ein überragender Geschäftserfolg , den die MARVEL - Publikationen mit ihren Auflagen von wenigen zehntausend Exemplaren pro Serie nicht annähernd erreichen konnten. Während die MARVEL -Serien außerhalb der Fankreise der siebziger Jahren kaum Beachtung fanden , war das deutsche MAD ab Mitte der siebziger Jahre eine Institution , die in sämtlichen Medien Anklang fand , zur Standardlektüre von Schülern und Studenten wurde und den allgemeinen umgangssprachlichen Jargon (LECHZ , HECHEL , WÜRG) nicht nur an den Schulen und Universitäten prägte. Im Gegensatz zu den langfristigen rezeptiven Wirkungen der MARVEL Comics hat sich jedoch gezeigt , dass das deutsche MAD keinen über das eigentliche publizistische Umfeld der Zeit hinausgehenden Einfluss auf die Entwicklung der Comic - Branche nehmen konnte. Es war Ausdruck eines zeitlich begrenzten , dafür aber extrem wirksamen Zeitgeistes und Humorverständnisses , das sich in anderen Medien , vor allem im Fernsehen der Privatsender der neunziger Jahre fortgesetzt hat. Nach dem endgültigen Scheitern der MARVEL - Produktionen im Jahr 1979 ermöglichte der zunehmende Erfolg des deutschen MAD , das eine besten pulizistischen Jahre noch vor sich hatte , seinem Verleger KLAUS RECHT die zunächst ausgesprochen profitable Fortführung des WILLIAMS VERLAGS , dessen Historie erst mit der Einstellung des MAD MAGAZINS im Jahr 1995 endete.   

VOM BILDSCHRIFTENVERLAG (BSV) ZUM WILLIAMS VERLAG (1972-1974)

Der Eigentliche Beginn des WILLIAMS VERLAGS in Hamburg lässt sich nicht exakt datieren , da es im Hinblick auf die publizistische Erscheinung , der Eigentumsverhältnisse und in der Firmierung jeweils unterschiedliche Zeitpunkte der Bestimmung innerhalb der Verlagshistorie gegeben hat. Deutlich wird aber , dass der WILLIAMS VERLAG im Laufe des Jahres 1973 aus seinem Vorläufer , dem BILDSCHRIFTENVERLAG (BSV) in Aachen , nervorging und sich im Oktober 1974 ein völlig eigenständiger Verlag unter seinem neuen Besitzer und Herrausgeber KLAUS RECHT etabieren konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der WILLIAMS VERLAG jedoch schon durch den Start einer Reihe von MARVEL - Serien ab Januar 1974 für den deutschen Leser als neuer Verlag einen Namen machen können. Der BSV , man beachte die tendenziöse Namensgebung des Verlags mit den entsprechenden Konnotationen aus der jüngeren deutschen Vergangenheit , wurde 1956 in Hamburg als Verlaqg Internationale Klassiker gegründet. Nach einem erfolgreichen Start durch die Fortführung der langlebigen Serie Illustrierte Klassiker im April 1956  , die vom RUDL VERLAG bereits 1955 in Deutschland eingeführt worden war , erfolgte 1957 die Umfirmierung zum BSV und die Verlegung des Verlagssitzes nach Aachen. Bis Ende der sechziger Jahre bediente sich der BSV-VERLAG vor allem aus dem Lizenzmaterial des amerikanischen DELL VERLAGS und dessen Nachfolger GOLD KEY mit Serien wie Unsere Weltillustrierte , Bildermärchen , Tarzan , Korak , Blitz Gordon , Turok ,Doktor Solar , Magnus , Sheriff Klassiker , Samson , Boris Karloff und circa fünfzig weiteren , zum Teil sehr kurzlebigen Serien. Eine entscheidende Zäsur im Verlagsprogramm stellte 1966 die Herausgabe der monatlich erscheinenden HIT COMICS dar , durch die - als Anthologieserie angelegt - die Einzelserien Spinne , Die fantastischen Vier , Rächer , Hulk , X-Männer , Devil-Man , Prinz Namor , Der Eiserne und Thor aus dem großen Repertoire des in New York ansässigen MARVEL VERLAGS erstmals in Deutschland erschienen. 1969 erschien als Pendant die Reihe TOP COMICS , in der die Serien des MARVEL - Konkurrenten und damaligen amerikanischen Marktführers NATIONAL PERIODICALS (SPÄTER DC COMICS) mit den Reihen Schwarzer Falke (Hawkman) , Wassermann (Aquaman) , Grüne Laterne (Green Lantern) und Blitzman (The Flash) zum Abdruck kamen. Beide Serien waren in schwarzweiß auf billigstem Papier gedruckt und mit vergröbertem Maschinenlettering im Text stark verstümmelt. Bereits 1968 waren in der BSV-Serie SUPER COMICS die zwei weniger bekannten und inhaltlich exzentrischen DC-Serien Metallmenschen (Metal Man) und Metamorpho (dito) in gleicher Weise zum Abdruck gekommen. Hintergrund dieser neuen inhaltlichen Schwerpunktbildung war der Kauf des BSV - VERLAGS im Jahr 1966 durch NATIONAL PERIODICAL ,die wiederrum 1969 von KINNEY NATIONAL SERVICES (Warner Brothers , dann Time Warner) aufgekauft wurden , um mit weiteren Verkaufsaufkäufen in Frankreich , Holland und Skandinavien ihre Serien für den europäischen Markt mit Parallelveröffentlichungen lizensieren zu können. Bezeichnenderweise waren es jedoch zunächst die Serien des Hauptkonkurrenten MARVEL COMICS , die beim BSV - VERLAG im September 1966 zum Abdruck kamen. Dies lag aller Wahrscheinlichkeit darin begründet , dass kurz zuvor die Lizenz für die Hauptserien der NATIONAL PERIODICAL um die FIguren Superman und Batman an den EHAPA VERLAG in Stuttgart vergeben worden war. Der BSV agierte auch weiterhin relativ unabhängig von seinem neuen amerikanischen Hauptanteilseigner und verlegte zahlreiche weitere Serien außerhalb des Superheldengenres.

Ein weiterer Einschnitt erfolgte 1971 , als man bei WARNER BROTHERS nochmals beschloss , europaweit unter dem Label WILLIAMS die Superhelden-Serien einheitlich zu verlegen und lizensierten. Man war gewillt , eine größere Summe in die Superhelden-Serien des BSV - VERLAGS zu investieren. Der Verlag zog 1972 nach Alsdorf in der Nähe von Aachen , und es erschien erstmals der Hinweis "BILDSCHRIFTENVERLAG (BSV) / ABTEILUNG WILLIAMS " im Impressum der Serien. Zuvor waren 1971 bereits die Anthologien HIT COMICS und TOP COMICS in vierfarbig gedruckte Einzelserien aufgesplittert worden. Dies war der wenig effiziente Versuch , der mittlerweile chaotisch gewachsenden Programmstruktur ohne inhaltliche Strigenz und Kontinuität , mit der der deutsche Leser völlig überfordert war , Herr zu werden und die Auflagen , die bei ca. 30.000 Exemplaren je Serie lagen , nachhaltig zu steigern. Anfang 1973 trat KLAUS RECHT , der zuvor Redakteur bei SPIEGEL und CAPITAL gewesen war und sich als Chefredakteur des MANAGER MAGAZINS sowie Leiter der Abteilung "PLANUNG UND ENTWICKLUNG" im GRUNER & JAHR VERLAG einen Namen gemacht hatte , als Geschäftsführer in den BSV-VERLAG ein. KLAUS RECHT sollte nun unter dem eigenständigen Label WILLIAMS die Publikation der MARVEL-Serien neu organisieren. Es wurde im Oktober 1973 der von BSV unabhängige Verlag WILLIAMS mit Sitz an der Elbchaussee in Hamburg gegründet. Das erste unter der Firmierung WILLIAMS VERLAG HAMBURG publizierte Heft war die Nummer 8 von HORROR im Oktober 1973 , die als einzigste Publikation aus dem alten BSV-Programm direkt mit fortlaufender Nummerierung übernommen wurde.    

Als Zeitpunkt des Neustarts aller MARVEL-COMICS wurde der Januar 1974 festgelegt , in dem die Serien DIE SPINNE (The Amazing Spiderman / Startauflage 74.000 Ex. / Erstverkaufstag 14.01.74) , DIE FANTASTISCHEN VIER (The Fantasic Four / Startauflage 60.000 Ex. / Erstverkaufstag 14.01.74) , DIE RUHMREICHEN RÄCHER (The Avengers / Startauflage 64.000 Ex. / Erstverkaufstag 07.01.74) , THOR (The Mighty Thor / Startauflage 74.000 Ex. / Erstverkauftag 21.01.74) , THE HULK (The Incredible Hulk / Startauflage 64.000 Ex. / Erstverkaufstag 07.01.74) , DIE GRUFT VON GRAF DRACULA ( The Tomb of Dracula / Startauflage 64.000 Ex. / Erstverkauftstag 21.01.74) und DAS MONSTER VON FRANKENSTEIN (The Monster of Frankenstein / Startauflage 64.000 Ex. / Erstverkaufstag 02.01.74 chronologisch von vorne beginnend , mit authentischem Layout und in angemessener Übersetzung erschienen. der Erstverkaufstag der sieben Titel war über den Monat verteilt , um die Konkurrenz innerhalb des Startangebots möglichst gering zu halten und eine potenziell große Zahl von Mehrfachkäufen zu ermöglichen. Es wurden insgesamt 250.000 DM in eine Werbekampagne investiert , die auf den Erstverkaufstag aufmerksam machen sollte. Den Vertrieb , der vormals als Direktvertrieb beim BSV - Verlag nur ca. ein Viertel aller vorhandenden Verkaufsstellen erreichte , wurde von der VERLAGSUNION in Wiesbaden übernommen. Das von der VERLAGSUNION betriebene kostengünstigere Vertriebssystem des Phasenvertriebs sollte sich jedoch im weiteren Verlauf als sehr nachteilig gegenüber den vertrieblichen Aktivitäten der Konkurrenz erweisen. Da die Hefte bei 32 Seiten Umfang kaum Fremdwerbung aufwiesen , es fanden sich schlichtweg keine Inserenten , konnten pro Serie die weiteren amerikanische MARVEL-Serien THE SUBMARINER (in Die Spinne) , DAREDEVIL (in Die fantastischen Vier) , SILVER SURFER (in Thor) , The X-Men (in Der Hulk) und CAPTAIN MARVEL (in Die ruhmreichen Rächer) abgedruckt waren . Mit Ausnahme der beiden Horrorserien DIE GRUFT VON GRAF DRACULA und DAS MONSTER VON FRANKENSTEIN , die im Original zu Beginn der siebziger Jahre erschienen , konnte der deutsche Leser somit einen Gesamtüberblick über die Gründungs- und Konsolidierungsphase der MARVEL-Comics der sechziger Jahre erhalten , aus der der amerikanische MARVEL-VERLAG schliesslich in den siebziger Jahren als Marktführer der US-Comic-Branche hervorging. Die Abverkaufszahlen der ersten Monate blieben jedoch hinter den Erwartungen von WARNER zurück , so dass zum Herbst 1974 eine komplette Einstellung der Verlagsaktivitäten in Deuutschland beschlossen wurde. KLAUS RECHT nutzte die Gunst der Stunde und erwarb mit Beginn der Oktoberproduktionen 1974 günstig die Lizenzen und den Verlagstitel und firmierte bis Juni 1975 zum KLAUS RECHT VERLAG um. Ab Juli 1975 stand dann wieder die alte Verlagsangabe WILLIAMS VERLAG HAMBURG im Impressum , der Verlagssitz wurde von der ELbe an die Alster an den Schwanenwik verlegt. Insgesamt benötigte KLAUS RECHT jedoch mehr als ein Jahr , um die MARVEL-Verlagslinie auch in der redaktionellen Betreuung zu konsolidieren.

 Unter dem Chefredakteur REINHARD MORDEK (Pseudonym REMO) hatten die WILLIAMS MARVEL-Serien in Deutschland ab Januar 1974 zunächst schnell etablieren können. REINHARD MORDEK , der von Zeit zu Zeit in New York weilte , um Druckvorlagen und Filme für die von Beginn an chronologische und somit historisch korrekte Erscheinung der Serien zu garantieren , übertrug reibungslos den von STAN LEE , dem Herausgeber und langjährigen Chefredakteur der amerikanischen MARVEL Comics , gepflegten blumigen und weitschweifigen Stil aus hypertrophen Wortblüten und pompöser Selbstironie auf die deutschen WILLIAMS -Titel. Mit diesem persiflierenden und fast immer auch ein wenig "großmäulig" wirkender Stil war von den MARVEL Comics in den USA der sechziger Jahre erfolgreich eine ältere Lesergeneration von Schülern , jüngeren Angestellten und Studenten oberhalb des bisherigen Lesealters für Superhelden-Comics erschlossen worden. Dieser redaktionelle Stil richtete sich adäquat an den komplexeren Figurencharakterisierung , dynamischeren Grafik und vielschichtigeren "Soap-Opera" - Handlungen der MARVEL Comics mit ihren "Superhelden mit Problemen" aus , die sich in jenen Jahren erheblich von den inhaltlich wie grafisch flacheren Serien des Hauptkonkurrenten NATIONAL PERIODICALS (DC) und anderer Comic-Verlage unterschied . Zu Ausfällen bzw. Auslassungen von Originalbeiträgen in der Heftfolge der deutschen Serien kam es jedoch , wenn MORDEK nicht immer das gewünschte Druckvorlagenmaterial recherchieren konnte , oder aber er die in den MARVEL Comics der frühen und mittleren sechziger Jahre verbreiteten Themen und Motive zum Nationalsozialismus vorsichtshalber überging. Nicht ganz so sensibel ging MORDEK bei seinen Übertragungen ins Deutsche mit den ebenfalls in den frühen MARVEL-Serien verbreiteten Tendenzen zum Anti-Kommunismus und den Ängsten über Atomwaffen und Kalten Krieg um. Hierbei wurden chinesische und russische Agenten , Wissenschaftler oder Politiker durchweg als bestialische Monstren oder eiskalt berechnende Schurken dargestellt , was auf den deutschen Leserbriefseiten erhebliche Kontroversen auslöste. Hierzu nahm die Redaktion im Beitrag „Die Marvel Redaktion und der Fall Der Rote Wächter“ in allen Heften der 33. Produktion im September 1976 ausführlich Stellung. Es stand dabei das Argument der historischen Authentizität der Publikation dem der nicht mehr zeitgemäßen Darstellungsweise gegenüber. Von den Auslassungen besonders betroffen war die Serie DIE FANTASTISCHEN VIER , während auf den Seiten von DER EISERNE , DER HULK und DIE RÄCHER häufig und deutlich die Themen Kalter Krieg und die Bedrohung durch den Kommunismus anklingen konnte. Hier zeigte sich für den deutschen Leser deutlich die Patina , die einige Episoden bereits angesetzt hatten . Es waren einerseits zehn bis zwölf Jahre Abstand zur Originalpublikation noch nahe genug für zeitgeschichtliche Irritationen , andererseits aber nicht weit genug entfernt , um einen rein nostalgischen Flair abseits der zeitgenössisches Realitäten auszulösen.

Von den zwischen 1961 und 1968 von MARVEL in den USA ursprünglich produzierten neun Superheldenserien mit insgesamt 14 Seriencharakteren , dies waren THE FANTASTIC FOUR (ab 1961) , THE INCREDIBLE HULK (ab 1962) , „ANT MAN“ in TALES TO ASTONISH (ab 1962) , JOURNEY INTO MYSTERY / THE MIGHTY THOR (ab 1962) , THE AMAZING SPIDERMAN (ab 1963) , „IRON MAN“ in TALES OF SUSPENSE (ab 1963), „DOCTOR STRANGE“ in STRANGE TALES (ab 1963), THE AVENGERS (ab 1963) , THE X-MEN (ab 1963),DAREDEVIL (ab 1964), „THE SUBMARINER“ in TALES TO ASTONISH (ab 1965) , kam bei WILLIAMS der grössere Teil von Beginn an chronologisch als Erstserie oder als Zweitserie in den Heften zum Abdruck. Aufgrund der die Inhalte stark überlagernden Thematik Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg kamen aus deutscher Sicht verständlicherweise die Serien „CAPTAIN AMERICA“ in TALES OF SUSPENCE (ab 1964) und „NICK FURY“ , AGENT OF S.H.I.E.L.D. in STRANGE TALES (ab 1965) nicht zum Abdruck. Ebenfalls weggelassen wurde der frühe FANTASTIC FOUR Ableger „THE HUMAN TUCH“ in STRANGE TALES (ab 1962) .Aus der dann bei MARVEL folgenden Expansionsphase , der so genannten „ MARVEL EXPLOSION“ des Frühjahrs 1968 , wählte REINHARD MORDEK die Serien THE SILVER SURFER und CAPTAIN MARVEL aus.

Somit konnte der deutsche Leser relativ nahtlos die Aufbauphase der MARVEL Comics unter dem Texter und Chefredakteur STAN LEE mit den Zeichnern JACK KIRBY , STEVE DITKO und DON HECK nachvollziehen , an die sich die Konsolidierungsphase mit den weiteren Zeichnern JOHN BUSCEMA , GENE COLAN , JOHN ROMITA , MARIE SEVERIN und BILL EVERETT und dem Redakteur ROY THOMAS ab 1966 anschloss , um in die Expansionsphase von 1968 mit vielen neuen Serien , Autoren und Zeichnern zu münden. Abgerundet wurde das Start-Programm von WILLIAMS durch die Horror-Serien THE TOMB OF DRACULA (ab 1962) , THE MONSTER OF FRANKENSTEIN (ab 1973) und dem deutschen Sammeltitel HORROR ,der Nachdrucke aus den DC-Serien THE HOUSE OF MYSTERY (ab 1968) , THE HOUSE OF SECRETS (ab 1969) , THE UNEXPECTED (ab 1968) , THE WITCHING HOUR (ab 1969) und GHOSTS (ab 1971) enthielt , und der schliesslich mit 148 Ausgaben bis zum Dezember 1984 alle anderen Serien überleben sollte. Eine Sonderstellung nimmt die von Williams produzierte , aber niemals im Vertrieb angebotene erste Ausgabe der DC-Serie SHAZAM ein , die in der USA ab 1973 erschien. Vermutlich wurde durch die Intervention des Konkurrenten EHAPA aus Stuttgart , der die meisten DC-Titel publizierte , ein Lizenzvorrecht auf Produktion ausgeübt , dann aber doch nicht realisierte. SHAZAM war mit seiner internen Produktionsziffer die geplante achte und letzte Serie der originären ersten Produktion des WILLIAMS VERLAGS im Januar 1974. Die bereits gedruckte Auflage wurde später über graue Vertriebskanäle auf dem Markt verramscht.

Die MARVEL-Serien des WILLIAMS VERLAGS wurden in so genannten monatlichen Produktionen in jeweils ganzseitigen Anzeigen in den Heften beworben , später sogar mit Checklisten zumeist zu Beginn der Hefte aufgelistet , die ab 1976 Angaben zu den Ursprungstiteln und Serien der amerikanischen MARVEL Comics enthielten. Ab der 25. Produktion (Januar 1976) wurde die Serie DIE RÄCHER von monatlicher auf vierzehntägige Erscheinung umgestellt , während die Serien DIE SPINNE und DIE FANTASTISCHEN VIER von halbmonatlich auf ebenfalls vierzehntägige Erscheinung umgestellt wurden , alle anderen Titel wurden bei einem monatlichen Erscheinungsrhythmus belassen. Die vierzehntägige Erscheinungsweise hatte zur Folge , dass die betreffenden Serien bis zu dreimal im Monat erscheinen konnten , wenn der Wochenstichtag der Erscheinung fünfmal im Monat vorkam.

Von Beginn an ein Handicap war die Übernahme des Phasenvertriebssystems vom BSV – VERLAGS , das Deutschland in die Gebiete 1 , 2 , 3 , 4a und 4b einteilte. Nur im Phasengebiet 1 (Schleswig-Holstein , Hamburg , Bremen , Niedersachsen) kamen die Leser sofort in den Genuss , die frisch erschienenen Hefte am Kiosk kaufen zu können. Verbliebene Remittenten wurden so dann in regionaler Abfolge nach Süden in den sich anschliessenden Gebieten zum Verkauf angeboten , so dass es über drei Monate dauern konnte , bis die Heftserien Österreich , Bayern und die deutschsprachige Schweiz erreichten. Daraus erklärt sich auch die heutzutage relativ leichte Verfügbarkeit alter WILLIAMS –Hefte im norddeutschen Antiquariaten und Comic-Geschäften. Das erste Jahr der Publikation war durch zahlreiche Anpassungsvorgänge in technischer , organisatorischer und personeller Hinsicht geprägt. Ursprünglich 36 Seiten Umfang aufweisend , wurden alle Hefte ab der 6. Produktion (Juni 1974) auf 32 Seiten reduziert , die Produktion selbst wechselte von der italienischen Druckerei POLIGRAFICO zu SCHNEIDER-DRUCK in Verden. Mit der 7. Produktion (Juli 1974) wurde konsequent in allen Serien das Handlettering eingeführt , konnte aber erst nach einigen monaten Praxis und dem Austesten verschiedender Letterer lesegerechte Ansprüche erfüllen. Erhebliche Probleme bereiteten auch die schwankenden Papierqualitäten und das Papierformat , das erst ab Mitte 1975 nicht mehr variierte und für Umschlag wie Inhalt ein billiges holzhaltiges Offset-Papier gleicher Grammatur vorsah. Der zuständige Produktioner KURT REBISCHKE sah sich im ganzen Jahr 1974 mit Heftformaten konfrontiert , die bei jeder Produktion anders ausfielen und zwischen 16,5 und 18cm in der Breite und 24 und 25cm in der Höhe schwankten.

Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Verleger KLAUS RECHT verließ REINHARD MORDEK mit der 12. Produktion (Dezember 1974) den Verlag , seine Nachfolgerin wurde KIRSTEN ISELE , die bis 1979 die Chefredaktion ausübte und die Serie HORROR noch bis Ende 1984 betreuen sollte.Zusammen mit dem Übersetzer und Redakteur HARTMUT HUFF bildete sich so für die nächsten Jahre ein redaktionelles Kernteam , das den von REINHARD MORDEK auf die deutschen Serien übertragenen MARVEL-Stil weiter verfeinern , im Bereich der Übersetzungen gar einen eigenständigen Stil erschaffen konnte , der den deutschen Sprachgewohnheiten rechnung trug und noch stärker die Aspekte der Selbstironie und der parodistischen Überhöhung akzentuierte. So wurde zum Beispiel die 1975 neu erscheinende Serie DOKTOR STRANGE mit folgenden Worten angekündigt :

Doktor Strange der Magier verzaubert auch euch. Schlagt sanft in die Harfensaiten. Entzündet eure wohlriechendsten Räucherstäbchen , rollt die Kristallkugeln herbei , poliert euren elfenbeinernen Zauberstab und holt euren einäugigen Raben aus dem Schrank

(WERBEANZEIGE DER 22. PRODUKTION , OKTOBER 1975)

Mit den Beiträgen von KIRSTEN ISELE und HARTMUT HUFF etablierte sich der bei den Fans und Lesern später so beliebte „WILLIAMS-STIL“ , zumal auch im äußeren Erscheinungsbild endlich Kontinuität und Homogenität deutlich zutage traten. Man versuchte nun mit verschiedenen redaktionellen Aktivitäten , die über die monatliche Leserbriefseite hinausgingen , die Leserbindung deutlich zu erhöhen. In der 13. Produktion (Januar 1975) konnten die Leser das MARVEL-Briefpapier bestellen , mit der 15. Produktion (März 1975) wurde unter dem Titel „MARVEL KOMET“ eine Spiel- und Rätselseite eingerichtet , und ab der 17. Produktion (MAI 1975) ein „LESER DES MONATS“ mit seinem Brief , Foto und Namensnennung in einer zumeist unfreiwillig komischen , da dilettantisch erstellten Grafik-Collage zum „Helden“ gekürt. Hier zeigte sich bereits ein weiteres Problem , das mit zunehmender Laufzeit der Publikationen immer deutlicher wurde. Die enorme Diskrepanz zwischen der anvisierten und intendierten Leserschaft und der tatsächlich erreichten Leserschicht fällt bereits bei der Analyse der frühen Leserbriefseiten und der MARVEL KOMET –Seiten auf. Während der von selbstironischen Zügen geprägte , durchaus subtil zu nennende redaktionelle Stil und die immer komplexer werdenden Inhalte eine Zielgruppe zwischen 12 und 20 Jahren (wie in den USA) ansteuerten , zeigte das tatsächliche Lesealter in Deutschland einen Schwerpunkt zwischen 8 und 10 Jahren , also das typische Lesealter , das auch bei der Konkurrenz von BASTEI und EHAPA anzutreffen war. Dieses Verfehlen bzw. das nicht ausreichende Ausschöpfen des geeigneten Käuferpotenzials sollte langfristig negative Auswirkung auf die Verkaufszahlen haben , da dem WILLIAMS VERLAG keine Differenzierung und Ausweitung seiner Stammleserschaft im Vergleich zu den vertrieblich wesentlich besser positionierten und überlegenen Mitbewerbern am Markt gelang .

Zufrieden war man in Hamburg nur mit der Auflage der Serie DER SPINNE , die bei ca. 100000 Exemplaren pro Ausgabe bei zwei bis drei Erscheinungen pro Monat lag. Daher wurden mit der 22. Produktion im Oktober 1975 als Test für mögliche alternative Verkaufspotenziale vier weitere Titel lanciert : 1. DER EISERNE (Iron Man aus Tales of Suspense) mit der Zweitserie AMEISENMAN (Ant Man aus Tales To Astonish)

2. DOKTOR STRANGE mit Nachdrucken aus DOKTOR STRANGE (ab 1968) und STRANGE TALES (ab 1963) ; GREEN LANTERN , ab 1960) einer (noch) nicht von EHAPA genutzten DC-Lizenz ; sowie der im Magazinformat erscheinende Titel PLANET DER AFFEN (Planet of the Apes , ab 1974). Mit dem aufwändigeren Magazinformat von PLANET DER AFFEN versuchte man bei WILLIAMS erstmals an einen Kinoerfolg anzuknüpfen , dem insgesamt fünf Spielfilme umfassenden Science Fiction – Epos aus den Jahren 1967 bis 1973. Ein weiteres Format wurde ab Februar 1976 mit dem Taschenbuch-Comic DIE TÖDLICHEN HÄNDE DES KUNG FU getestet , das sich auf den populären , aber bereits im Ausklingen begriffenen Trend der Martial Arts (KUNG FU , BRUCE LEE) stürzte. Zum Nachdruck kamen Beiträge aus der seit 1974 laufenden MARVEL-Serie DEADLY HANDS OF KUNG FU ,die für das deutsche Taschenbuchformat jedoch ummontiert wurde und gekürt erschien. In der Leserbetreuung wurde mit der 26. Produktion (Februar 1976) eine Seite mit Kauf- und Suchannoncen eingerichtet , um die Bildung einer Stammleserschaft mit festen Fans und Fanclubs zu forcieren. Weiterhin wurden in der 29. Produktion (Mai 1976) der MARVEL-Kalender 1976 und die ersten Sammelbände unter dem Titel MARVEL SUPERBÄNDE angekündigt , in der 33. Produktion (September 1976) schliesslich das RIESEN-MARVEL-SUPER-POSTER beworben.

Vorbildlich für die damalige zeit und die nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Mittel waren die Kurzportaits von Zeichnern , Autoren und Redakteuren , sowie weitere redaktionelle Beiträge zum amerikanischen Comic-Markt , die von der Hamburger Redaktion erstellt wurden und in allen Heften der jeweiligen Produktion zum Abdruck kamen. Folgende Kurzportaits und Artikel erschienen zwischen 1975 und 1977 :

STAN LEE ( Interview 1975 mit Hartmut Huff in der 24. und 25. Produktion)

JOHN BUSCEMA (27.Produktion)

KIRSTEN ISELE (28. Produktion)

ROY THOMAS (29. Produktion)

JACK KIRBY (30. Produktion)

NEAL ADAMS (31. Produktion)

GENE COLAN (32. Produktion)

MARIE SEVERIN (33. Produktion)

NEUE TRENDS BEI DEN US-MARVEL COMICS (37. Produktion)

US-COMICS IM ZWEITEN WELTKRIEG (39. Produktion).

Nicht überzeugen konnten dagegen die von H.J. LÜHRS ausgesprochen krude gezeichneten Werbeanzeigen und vor allem die Füllseiten , mit denen Aufmacher und Titel für die Zweitserien nachempfunden werden sollten. Ab dem Sommer 1977 gingen die redaktionellen Beiträge auf ein Minimum zurück , da die Seitenzahlen der Originalbeiträge je Serie im Laufe der Jahre gestiegen waren , und die mangelhaften Verkaufszahlen der deutschen Ausgaben keine Erhöhung des Umfangs zuließen. Mittlerweile waren im September bzw. Oktober 1976 sämtliche WILLIAMS –Serien bis auf DIE SPINNE , DIE FANTASTISCHEN VIER , DIE RÄCHER und HORROR eingestellt worden. DIE SPINNE erhielt als Zweitserie THOR , DER RÄCHER den EISERNEN ,während DAREDEVIL in FANTASTISCHEN VIER weiterlaufen konnte. Die Einstellung dieses Großteils der Serien wurde stilgerecht mit einer ganzseitigen Traueranzeige der Redaktion in der 33. Produktion vom September 1976 angekündigt : „ LIEBE FREUNDE , […] SECHS MARVEL-TITEL UND „ Die grüne Laterne“ ERSCHIENEN IN DIESEM MNAT ZUM LETZTEN MAL…“

Damit war die Expansionsphase des Verlags eindeutig beendet und ein endgültiges Scheitern für KLAUS RECHT in den Bereich des Möglichen gerückt. Jedoch wurden die Umsatz-Defizite des Verlags bei den MARVEL – Serien durch die sprunghaft steigenden Auflagen und Umsätze des deutschen MAD in den siebziger Jahren ausgegliechen. Es war , wie die Redaktion in der als Traueranzeige gestalteen Stellungnahme in der 33. Produktion deutlich zum Ausdruck brachte , ein Urteil von den Käufern und Lesern am Kiosk gegen die MARVEL – Comics des WILLIAMS VERLAGS und für die Konkurrenz ausgesprochen worden , womit nur die DC-Lizenzausgaben des EHAPA VERLAGS gemeint sein konnten.      

  

FEHLSCHLÄGE UND MARKTBEREINIGUNG (1976-1979)

Nach der Einstellung von sieben Titeln im Herbst 1976 sah sich die Redaktion vor die Frage gestellt , wie es in der Programmplanung des WILLIAMS VERLAGES weiter gehen sollte. Da die eingestellten Serien kaum höhere Auflagen als um die 30000 Exemplare aufwiesen , und die verbliebenden Serien DIE SPINNE , DIE FANTASTISCHEN VIER , DIE RÄCHER und HORROR ebenfalls rückläufige Auflagenzahlen zeigten , musste eine grundlegende Änderung in der inhaltlichen und produkttechnischen Struktur dringend durchgeführt werden. Dies gelang in den folgenden zwei Jahren nicht , die zweit- und dritterfolgreichsten der verbliebenden Serien , DIE RÄCHER und DIE FANTASTISCHEN VIER , wurden im November 1978 eingestellt. , DIE SPINNE als letzte verbliebene MARVEL – Serie schließlich mit der Ausgabe 137 im Mai 1979. Es half auch nicht mehr , dass im Januar 1978 mit der 49. Produktion die Papierqualität der Hefte deutlich verbessert wurde.

Das Hauptproblem des WILLIAMS VERLAGS lag zum einen in der mangelnden finanziellen Ausstattung für Investitionen begründet. Zwar verzeichnete das deutsche MAD Mitte der siebziger Jahre bereits erhebliche Umsatzzuwächse , war aber noch weit von seiner Boomphase zu Beginn der Achtziger Jahre entfernt. Die hierbei erzielten Überschüsse waren nicht ausreichend , um einen breit angelegten Sortimentsstart mit neuen Titeln zu ermöglichen , zumal KLAUS RECHT für seinen persönlichen Bedarf relativ viel Geld aus dem Verlag zog. Das nun von ihm anvisierte Ziel , sich mit Comic-Filmadaptionen im Magazinformat an multimediale Multiplikatoreneffekte zu hängen , schlug auch deshalb fehl , weil Dichte und Tiefe dieses geplanten Sortiments bei der sporadischen Veröffentlichungsweise nicht vorhanden war. Die Comic-Adaption KRIEG DER STERNE , basierend auf der MARVEL Serie STAR WARS , nach dem 1977 angelaufenen ersten Teils von GEORGE LUKAS KRIEG DER STERNE – Zyklus , wurde nach drei Ausgaben im Jahr 1978 abgebrochen. Die Qualität der ursprünglich für das Heftformat erstellten Zeichnungen verkraftete keine Vergrößerung auf das Magazinformat. Auch war der zeitliche Abstand zur Kinopremiere bereits zu groß , um neben dem Zielpublikum der Comic-Leser auch die Filmfans erreichen zu können.Diese Aussage über die verfehlte Zielwirkung lässt sich auch für die beiden Filmadaptionen  UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART und DER WEIßE HAI 2 treffen , die von WILLIAMS 1978 und 1979 unter dem Titel MARVEL-SONDERAUSGABE  Band 1 und 2 an den Kiosk gebracht wurden. Dies waren sporadische und wenig konsequente Versuche , die Verluste der weiter einbrechenden Umsatzzahlen der verbliebenen MARVEL – Superheldenserien aufzufangen.

Auch der Versuch , über die Firmierung NELSON VERLAG zwischen 1976 und 1977 anderes Comic-Material in den deutschen Markt zu bringen , scheiterte aufgrund der fehlenden Produktionshäufigkeit und eines übergeordneten inhaltlichen Produktkonzeptes. Der produktionstechnisch wie inhaltlich herrausragend gemachte Versuch , WILL EISNERS Serie THE SPIRIT (Nachdruck des SPIRIT SPECIAL 1 von WARREN aus dem Jahr 1975) in den Handel zu bringen , scheiterte. Der größte Teil der Auflage gelangte nicht in den Vertrieb und wurde noch bis in die neunziger Jahre über Restpostenkanäle zu Billigpreisen angeboten. Das ebenfalls unter der Firmierung NELSON VERLAG 1976 auf den Markt gebrachte ULK – TASCHENBUCH war ein etwas erfolgreicherer Versuch , über ein hausinternes Plagiat die Lizenzgebühren für MAD zu umgehen , bot aber langfristig ebenfalls keine publizistische Perspektive.

Das nicht ausreichende Erschließen eines älteren Publikums war ein weiterer wesentlicher Grund für das Scheitern der Heftproduktionen. Der tatsächlich erreichten Zielgruppe der 8-12jährigen Leser war die historische Authenzität der Publikationen , die engagierte redaktionelle Vorgehensweise , das dem Farbdruck angemessene billige holzhaltige Papier , die hohe Textdichte , das gewöhnungsbedürftige Handlettering und die Präsentation der historisch bedeutenden frühen MARVEL-Arbeiten eines STEVE DITKO und JACK KIRBY völlig gleichgültig. Hier leisteten die Publikationen des Konkurrenten EHAPA wesentlich effektivere , da billiger gemachte Leser-Markterschließung , zumal diese nicht von einem antiquierten Phasen-Vertriebssystem behindert wurde . Für die jungen Leser waren das weiße Papier , die grellen Farben , gekürzte Texte mit simplifizierenden Übersetzungen und das Maschinenlettering der EHAPA-Serien wesentlich attraktiver als die für die visuell ungeübte oder überforderte Leserschaft recht exzentrisch und „schwierig“ wirkenden MARVEL-Serien von WILLIAMS. Künstlerische und produktästhetische Argumente waren in Deutschland Mitte der siebziger Jahre im Comic-Markt grundsätzlich kein Verkaufsargument , am wenigsten bei sehr jungen männlichen Leserschaft am Kiosk.

Der Konkurrent EHAPA verlegte zunächst nur als Randprodukt in seinem umfangreichen Heft- und Albumsortiment Serien aus der redaktionellen DC – Titelgruppe um die Charaktere SUPERMAN und BATMAN , die aus den amerikanischen Serien ACTION COMICS , ADVENTURE COMICS , BATMAN , DETECTIVE COMICS , JUSTICE LEAGUE OF AMERICA , SUPERBOY , SUPERMAN , SUPERMAN´S PAL JIMMY OLSEN , SUPERMAN´S GIRLFRIEND LOIS LANE und WORLD´S FINEST stammten. Mit den erfolgreich gestarteten Heftserien SUPERMAN (ab 1966) , umbenannt in SUPERMAN UND BATMAN (ab 1967) und dem billig gedruckten , aber für das Superhelden-Genre in Deutschland Aufsehen erregenden Produktformat Album , SUPERMAN SUPERBAND (ab 1973) und BATMAN SUPERBAND (ab 1974) war die Konkurrenzstellung zum WILLIAMS VERLAG von vorne herein klar definiert. Ab Anfang 1976 startete EHAPA schließlich eine umfassende Produkt-Offensive mit zahlreichen neue Titeln : SUPERMAN SONDERAUSGABE (ab 1976 ; Albumformat) , SUPERMAN TASCHENBUCH (ab 1976) , BATMAN SONDERHEFT (ab 1976) , WUNDERGIRL (ab 1976) , ROTER BLITZ (ab 1976) , AQUAMAN (ab 1976 ; Album) ; GERICHTIGKEITSLIGA (ab 1977 ; Album) , BATMAN TASCHENBUCH (ab 1978) , GRÜNE LEUCHTE (ab 1979) , ATOM (ab 1979 ; Album) . Diesem Serienausstoß hatte der WILLIAMS VERLAG nichts entgegenzusetzen. KLAUS RECHT zog daher im Sommer 1979 die Konsequenzen und verabschiedete sich aus dem Lizenzgeschäft mit den amerikanischen Superhelden-Serien. Die 1979 fällig werdende Garantiesumme für die Fortsetzung der Serie DIE SPINNE zahlte er nicht , die Lizenz wurde noch im gleichen Jahr vom CONDOR VERLAG erworben , und im März 1980 erschien die erste CONDOR-Ausgabe der Heftserie DIE SPINNE. Der CONDOR VERLAG führte in den Folgejahren mit einer Vielzahl von MARVEL-Serien in den Produktionsformaten Heft , Taschenbuch und Album exemplarisch vor , wie man zugleich lieblos , billigst und trotzdem zielgruppengerecht auf sehr erfolgreiche Weise für Kinder und Jugendliche Produkte auf den Markt bringen konnte. Es bedurfte daher schon der ästhetischen Schulung und Lesererfahrung der franko-belgischen Buch- und Albenpublikationen der achtziger Jahre , die bei den meisten Comic-Lesern erst jetzt ein Bewusstsein für Qualität ausformte , um die inhaltlichen und produktästhetischen Errungenschaften der WILLIAMS-MARVELserien rückblickend ins rechte Licht zu rücken.

DIE MAD – MACHER (1967-1995)

Das seit seinem Deutschlandstart 1967 im BILDSCHRIFTEN-VERLAG (BSV) erscheinende deutsche MAD , in einer Startauflage von 5000 Exemplaren gedruckt , sollte ursprünglich eine Lizenzausgabe des amerikanischen MAD werden , das die bereits in den USA veröffentlichten Beiträge – wie bereits mit den MARVEL-Comics geschehen – für den deutschen Markt nachdruckt. Das im amerikanische EC- VERLAG von BILL GAINES unter der Chefredaktion von HARVEY KURTZMAN seit 1952 erscheinende MAD war zunächst ein reguläres vierfarbiges Comic-Heft , in dem Zeichner wie BILL ELDER , JOHN SEVERIN , WALLACE WOOD und JACK DAVIS zumeist Parodien bekannter Comic-Serien und –Strips wie „Superduperman“ und „Prince Violent“ zu Papier brachten. Mit dem Zusammenbruch des EC – VERLAGES 1955/56 wurde das amerikanische MAD unter dem Verleger BILL GAINES und dem neuen Chefredakteur AL FELDSTEIN mit der Ausgabe 24 (1955) auf das großformatige Magazinformat im Schweiz-Weiß Druck umgestellt , das nicht der Zensur der im Vorjahr gegründeten Comic Code Authority unterlag. Zeichner wie NORMAN MINGO , der das MAD-Maskottchen ALFRED E. NEUMANN entwickelte , DON MARTIN (ab Ausgabe 29) , MORT DRUCKER (ab Ausgabe 32) , DAVE BERG (ab Ausgabe 34) ,  SERGIO ARAGONES (ab Ausgabe 76) , ANTONIO PROHIAS und AL JAFFEE (ab Ausgabe 91) prägten das Erscheinungsbild bis in neunziger Jahre hinein. 1962 verkaufte Bill Gaines das Magazin an PREMIER INDUSTRIES , das dann an NATIONAL PERIODICALS weiter verkauft wurde und so später Bestandteil von WARNER BROTHERS bzw. des TIME WARNER Medienkonzerns wurde. Im Zuge der Umstellung auf das Magazinformat setzte man nun verstärkt auf Film-, Fernseh- und Werbeparodien sowie auf satirische Betrachtungen des amerikanischen Alltags. Nachdem bereits 1959 in Großbritanien , 1960 in Schweden und ab 1964 in den Niederlanden erfolgreich Auslandsausgaben produziert wurden , begann man ab 1967 auch in Deutschland mit der Publikation , die aus einem großen Fundus des Muttermagazins mit mittlerweile 15 Jahren Produktionsgeschichte schöpfen konnte. Aus Kostengründen wurden bis 1975 alle europäischen Ableger in Finnland gedruckt. Ab der Ausgabe 78 im Jahr 1975 erfolgte die Produktion bei SCHNEIDER DRUCK in Verden , dem damaligen Hausdrucker des WILLIAMS VERLAGES. Im Jahr zuvor hatte KLAUS RECHT das deutsche MAD im Zuge seiner Aufkäufe von ehemaligen MARVEL/DC- Lizenzen des BSV-VERLAGES erworben und in seinen WILLIAMS VERLAG integriert. Wesentlich für den großen Erfolg des Magazins waren die Tätigkeiten des Chefredakteurs und Texter HERBERT FEUERSTEIN , unter dem das deutsche MAD zum erfolgreichsten Auslandsableger des amerikanischen Muttermagazins avancierte. Dem mit der Ausgabe 33 im Dezember 1971 noch zu Zeiten des BSV in Aachen eingestiegenen FEUERSTEIN gelang es auf kongeniale Weise , über die Jahre aus der ehemaligen Nachdruckpublikation ein völlig eigenständiges Magazin mit spezifischem Humor zu entwickeln , das kaum noch etwas mit dem Charakter der originären amerikanischen Publikation zu tun hatte. Neben seinen Übersetzungen waren es die vielen eigenständigen Gags wie die bösartig bissigen Leserbrief-Antworten , die „Abt.“ – Gags , Onomatopöien wie „LECHZ“ , „SCHLUCHZ“ , „ÄCHZ“ , „WÜRG“ , Namensgebungen wie „FEINBEIN“ oder „KAPUTNIK“ sowie eigene Autoren und Zeichner wie GUNTER BAARS , WOLFRAM LOTZE , IVICA ASTALOS und die ausgesprochen wirkungsvollen Coverillustrationen von ROLF TRAUTMANN , die dem deutschen MAD einen eigenständigen Charakter verliehen und die deutsche Humorlandschaft ab Mitte der siebziger Jahre prägten. Der von HERBERT FEUERSTEIN in MAD kultivierte Humor deckte die Bandbreite zwischen purem Blödeln und bissiger Groteske ab , war aber niemals politisch engagiert und ging auch nie wirklich unter die Gürtellinie , das Thema Sex war mit einem strikten Tabu belegt. MAD wurde so von einer lizensierten US-Nachdruckpublikation zu einem deutschen Original , für das jedoch weiterhin titelrechtliche Lizenzgebühren zu zahlen waren. Im Zuge steigender Verkaufszahlen wurden begleitende und weiterverwertende Publikationen wie die MAD-TASCHENBÜCHER oder die Nachdruckreihe MAD-EXTRA vom WILLIAMS VERLAG auf den Markt gebracht , der nach der endgültigen Einstellung der letzten Superheldenserien ab 1980 nur noch dieses eine Produkt MAD publizierte. Es fand ein überaus effektives Recycling bereits publizierter MAD-Beiträge statt : im ersten Stadium MAD-EXTRA mit ca. fünf Jahre alten Inhalten , dann SUPER-MAD mit acht bis zehn Jahre alten Beiträgen , schließlich das MEGA-MAD , MAD-MÜLL und die MAD-SAMMELBÄNDE aus den vorhandenen Remmissionsbeständen. Damit gestaltete sich die finanzielle Auswertung einer im Umfang relativ kleinen originären Publikation sehr lukrativ , zumal das deutsche MAD völlig ohne Einnahmen durch vertraglich untersagte Werbeanzeigen auskam. Bei einer an sich schon sehr guten Remissionsquote von ca. 40 % beim Haupttitel MAD konnte so über die Jahre die gesamte gedruckte Auflage vollständig verwertet , das heißt verkauft werden.

„Blattmacher“ HERBERT FEUERSTEIN , der sich von KLAUS RECHT 1973 eine stufenweise finanzielle Umsatzvergütung für jede 10000 Wxemplare oberhalb einer Basisauflage von 30000 Blatt vertraglich zugesichert hatte , verließ als wohlhabender Mann mit der Ausgabe 276 im März 1992 das Magazin nach 21 Jahren redaktionellen Alleingang , um sich dem Medium Fernsehen zu widmen. Hier fand sein Humor in der erfolgreichen Sendung „SCHMIDTEINANDER“ mit seinem Partner HARALD SCHMIDT eine angemessene Plattform , für die er 1994 den ADOLF-Grimme-Preis verliehen bekam. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das MAD MAGAZIN , nun von KLAUS RECHT gezwungenermaßen persönlich redaktionell betreut , nach einem stetigen Sinkflug in den Verkaufszahlen kurz vor dem Aus. Nachdem es sich von 5000 Exemplaren 1967 über 15000 Exemplaren im Jahr 1970 und 30000 im Jahr 1973 dann im Jahr 1977 ereits 230000 Exemplare Auflage steigern konnte , erreichte es zu Anfang der achtziger Jahre monatliche Auflagen von 330000 Exemplaren und gehörte damit zu den erfolgreichsten deutschen Comic-Publikationen überhaupt. Im Gegensatz zum Phrasenvertrieb der WILLIAMS MARVEL-Hefte wurde das MAD MAGAZIN zeitgleich flächendeckend vertrieben. Der Coverpreis von „NUR NOCH“ 1.80 DM im Jahr 1973 stieg bis 1995 auf „NUR NOCH SENSATIONELLE“ 4.50 DM , was in den Spitzenjahren des Titels zu jährlichen Umsätzen in Höhe von über Acht Millionen DM (ohne die Begleitpublikationen) führte. Noch vor dem Weggang FEUERSTEINS zu Beginn der neuziger Jahre fiel die Auflage auf unter 100000 Exemplaren (September 1990 : 90000) . MAD wurde mit der Ausgabe 300 im Juli 1995 mit 30000 Exemplaren eingestellt. KLAUS RECHT hatte in den achtziger Jahren nicht mehr am publizistischen Geschehen teilgenommen , die hohen erwirtschafteten Gewinne hatten ihn zu einem reichen Verleger und Millionär mit eigendem Flugzeug gemacht :

Feuerstein schmiß den Laden und ich brauchte 15 Jahre nicht zu arbeiten. Absolut nichts. Ich verdiente wahnsinniges Geld , wurde reich und hatte einen Riesenspaß.[…] Wir hatten zeitweise eine Vertriebsfirma , die dem Heinrich Bauer – Verlag gehörte , und der Geschäftsführer stellte immer einen „Vergnügungsetat“ zur Seite , eine schwarze Kasse. Wir gingen dann immer auf Kosten von Heinrich Bauer vögeln !

(GERNHART/SCHMIDT/SCHMIDT 1995)

  

KLAUS RECHT sah sich am Ende seiner Laufbahn als Verleger jedoch wieder mit existenziellen Problemen konfrontiert und versuchte zusammen mit seiner Frau HEIDI über den neu gegründeten Kleinverlag MAD VERLAG HEIDI RECHT GMBH die Publikation des deutschen MAD solange wie möglich aufrechtzuerhalten. In Absprache mit den amerikanischen Lizenzgebern von TIME WARNER wurde das Magazin schließlich eingestellt , da auch das amerikanische MAD im Verkauf mittlerweile auf den Bruchteil seiner ehemaligen Spitzenumsätze zusammengefallen war. Ein Relaunch durch den DINO VERLAG erfolgte ab dem Oktober 1998 mit dem neuen MAD , das in Inhalt und Zielpublikum jedoch mit der ursprünglichen Publikation unter HERBERT FEUERSTEIN kaum mehr gemein hat als den Namen. KLAUS RECHT lebt heute von seinem Ersparten und denkt rückblickend weniger an seinen verlegerischen Flop , die deutschen MARVEL-Comics , als an seine Sternstunde als Verleger des deutschen MAD :

Ich bin erschöpft. Ich habe gerade noch die Kraft , durch geschickte Transaktionen die Quellensteuer zu umgehen.

(GERNHART/SCHMIDT/SCHMIDT 1995)

MAD IM DINO-VERLAG

Drei Jahre nachdem MAD in Deutschland eingestellt wurde , fragte der Medienriese WARNER , zu dem auch DC , mittlerweile Mutterverlag von MAD , gehört , ob der DINO VERLAG nicht Interesse hätte. Die Leutchen um MAX MÜLLER waren von dieser Anfrage zunächst nicht so begeistert und glaubten auch nicht daran , dass ein MAD - Magazin , genauso weitergeführt wie zuvor , wieder Erfolg haben könne. Doch die Dinos erhielten die Erlaubnis amerikanische Beiträge einzufärben , auf dem Comic-Salon in Erlangen wurde ein gewisser OLIVER NAATZ per Unterschrift auf einer Serviette als Übersetzer verpflichtet und als Veteran das deutschen MADs konnte I. ASTALOS wieder zu Mitarbeit bewegt werden.

Der Sendebeginn der US-Serie MAD TV auf RTL wurde dann als besonders günstig für einen Neustart des Magazins angesehen , denn der DINO VERLAG hat schon immer gerne Produkte mit TV-Begleitung auf dem Markt gebracht. Ab OKTOBER 1998 erschient MAD monatlich. Etwas peinlich war Anfangs schon die MAD TV-Beilage in der Mitte des Heftes , die sich ziemlich plump bei RTL anbieterte , doch nachdem die schlampig produzierten Sketche ( und die gelegentlich ganz hübsch ausgeführten Don Martin-Trickfilme ) von MAD TV aus dem RTL-Spätprogramm verschwanden , hatte sich dieses Problem glücklicherweise von selbst erledigt. Immerhin wurden von Anfang an klassische Don Martin - Cartoons oder Spion & Spion von Prohias sehr hübsch gerahmt als MAD Classic so originalgetreu wie möglich veröffentlicht.

Mit dem Wegfall der RTL-Bindung setzte DINO auf Hefte mit Themenschwerpunkte , was je nach Popularität des Covermotivs ( sehr beliebt sind immer wieder Pokomons ) zu einer sehr stark pendelnden Auflage führt. Die erste wirklich gelungene Ausgabe war die Nummer 9 . Hier ging es um das Thema Comics und da sind die Dinos natürlich absolut kompetent. So gibt es eine ganz witzige Parodie auf dem Film " Arschterix & Popelix " . Diese stammte pikanterweise von JENS JEDDERLOH , der seinerzeit das von UDERZO hart bekämpfte Parodie-Plagiat " Alkoholix " im auch dadurch Pleite gegangenen SAGA VERLAG veröffentlichte. Ebenfalls mehr als lesenswert ist Supermensch von MATTHIAS KNIGGE. Hier wird kompetent bebildert erzählt , was wohl passiert wäre , wenn Supermans Rakete in Carl Barks Entenuniversum gelandet wäre. Selbst der in vorherigen Ausgaben eher anstrengende Versuch einer Parodie auf VERONAS WELT ist durch den massiven Einsatz von Comic-Figuren ganz unterhaltsam. Überhaupt sind die Beiträge von GUIDO NEUKAMM und MICHAEL VOGT , wie etwa die "Gladiator" - Filmparodie oder die "Quäletuppies" , mittlerweile auf einen recht hohen Niveau. Am erfolgreichsten hat sich , auch bedingt durch seine gefakten Anzeigen im MAD ( und auch als Werbung für MAD in "Zack" und "Hit Comics" ) , die Karriere von RALPH RUTHE entwickelt. Eigentlich hatten die Dinos geglaubt , das sich MATTHIAS KNIGGE zum Star des MAD - Magazins entwickeln würde , doch mittlerweile sind schon einige Sonderbände mit den Cartoons von RUTHE erschienen.

Es gibt jedoch beim DINO VERLAG ähnliche Tendenzen wie beim amerikanischen Mutterblatt. Denn auch Satire kann eine Art von Werbung sein und schlimmer als jede schlechte Filmkritik ist es , wenn ein neuer Film nicht im MAD parodiert wird. Seitdem das eigentlich unabhängige Satiremagazin zu WARNER gehört , gibt es einige Liebesdienereien in Richtung des Mutterkonzerns : So erschien die amerikanische Ausgabe mit der Parodie von "Batman & Robin " gleich mit vier!!! Variantcovern zum Film , was sicher mehr mit Promotion als mit Satire zu tun hat und zusätzlich kam auch ein Sammelband herraus , der nur Verarschungen von Filmen aus dem Hause WARNER enthielt.

Es bleibt abzuwarten , ob die MAD-Macher in Zukunft die Hand , die sie füttert , überhaupt noch beißen dürfen ?

Ähnlich verhält es sich mit den ziemlich egoischtisch ausgewählten Themenschwerpunkten des DINO VERLAGES. So waren die "Simpsons" schon auf dem Titelbild , zu "Star Wars" und "Star Trek" gab es haufenweise Covers und Specials und auch die ebenfalls bei DINO erscheinenden "Digemons" bleiben natürlich auch nicht unverwurchtet. Ein weiteres Manko ist die Tatsache , dass oft nicht sonderlich sorgfältig mit dem teilweise hochklassigen Material aus USA umgegangen wird. Besonders drastisch war das erschienende MAD ULTRA zum Thema Film. Immerhin wurden die tollen Parodien von MORT DRUCKER diesmal im sehr viel schöneren Schwarzweiss veröffentlicht . Bei der Parodie zu "Star Wars Episode 1 " wurde jedoch die nicht gerade einfühlsame kolorierte deutsche Fassung aus dem Heft 12 einfach nochmals gerastert in Schwarzweiss abgedruckt , was ziemlich schrecklich aussieht. Bei der Parodie von "Casablanca" wurde einfach die letzte Seite weggelassen und die Namen der US - Texter wurden zugunsten des Übersetzers ganz verschwiegen. Dies wird leider auch in den Heften immer häufiger praktiziert. In diesem Zusammenhang vielleicht noch die Frage , ob es wirklich sinnvoll ist , in der Parodie zum ersten "Batman"-Film aus einem Dialog wie " I love to gaze into your eyes!" - " Because they´re so incredibly lovely?"-"No, because I can see my reflection in them !" ( "Ich mag es in deine Augen zu blicken" - "Weil sie so schön sind?" - " Nein , weil ich mein Spiegelbild darin sehe" ) folgende Übersetzung herauszuwürgen : " Ich liebe deinen Silberblick , Babe" - "Weil es mich irgendwie niedlich aussehen lässt ? " - " Nein , weil er mit deinem Hintern korrespondiert , wenn ich dir die Rosette versilbere!".

Ansonsten ist es natürlich mehr als erfreulich , dass wir wieder mit einem monatlichen MAD-Heft und zahlreichen zusätzlichen Veröffentlichungen von den üblichen Idioten-Gang verwöhnt werden , wobei hoffentlich die klassischen Werke mit der gebührenden und ansonsten bei DINO üblichen Sorgfalt behandelt werden.

(c) QUELLEN: „LEXIKON DER COMICS“ – LOSEBLATTSAMMLUNG CORIAN-VERLAG / ROLAND MIETZ

SOWIE AUS

"HIT COMIC # 21" HEINER LÜNSTEDT FÜR KARICARTOON VERLAG NOV.2000

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Reddition 62: Dossier EC-Comics & Gaines-Interview

( links das Ursprüngliche Cover ( * ) ... rechts die zenzierte Version aufgrund Urheberrechtseinwende, welches auch so in den Handel gelangte )

Vom verwöhnten Sohn eines Millionärs mit Aussicht auf ein Leben als Chemielehrer zum legendären Verleger von Horror-Comics und Begründer des nicht weniger legendären MAD. William M. Gaines' Karriere allein böte schon genug Stoff für einen Film, aber dass er für die noch heute einflussreichen EC-Comics einige der besten US-amerikanischen Zeichner beschäftigte, macht ihn zum Monument. Neben einem bisher unveröffentlichten Interview mit dem Verleger stellt das EC-Dossier der neuen REDDITION mit Al Feldstein, Harvey Kurtzman, Johnny Craig, Jack Davis, Graham Ingels oder Bernard Krigstein die wichtigsten EC- und MAD-Zeichner vor und analysiert auch die TV-Adaptionen der EC-Comics sowie die wenigen deutschsprachigen Veröffentlichungen der Kult-Geschichten.

Das Inhaltsverzeichnis:

● Die Geschichte der EC-Comics

● Interview William M. Gaines

● Wie der Comics Code den EC-Horror tötete

● EC-Comics in Deutschland

● Porträt Al Feldstein

● Porträt Harvey Kurtzman

● Porträt Johnny Craig

● Porträt Jack Davis

● Porträt Graham Ingels

● Porträt Bernard Krigstein

● Wie die Tales from the Crypt ins Fernsehen kamen

Sowie eine Bibliographie der deutschsprachigen EC-Veröffentlichungen

Das Cover zeigt William M. Gaines in seinem Büro in der Madison Avenue in New York (Foto: Cuno Affolter, 1981). Die gezeichneten Bildelemente gestaltete Rainer F. Engel.

REDDITION 62
Dossier EC-Comics & Gaimes-Interview, Magazin, 60 Seiten s/w mit farbigem Cover, € 10.00


( * ) Rechteinhaber der EC-Comics verbietet Verwendung von Bildzitaten im Magazin REDDITION

Die geplante Ausgabe 62 des Fachmagazins REDDITION mit einem Dossier über die legendären EC-Comics und deren Herausgeber William M. Gaines darf keine Abbildungen aus den zwischen 1950 und 1956 publizierten Heftserien zeigen. Das teilte am 29. Juni 2015 der Inhaber der Nutzungsrechte, William M. Gaines Agent, Inc. aus Los Angeles mit. ( **siehe Nachtrag ) Es ist das erste Mal in der 31-jährigen Geschichte der REDDITION, dass sich ein Copyrightinhaber nicht kooperativ zeigt und damit verhindert, dass über Inhalte einer Comicreihe angemessen berichtet werden kann.

Da nahezu sämtliche Artikel und Texte für die für August geplante Ausgabe 62 vorliegen, habe ich mich dazu entschlossen, das Dossier auch ohne Artwork aus den genannten Comics zu veröffentlichen. Das stellt allerdings eine erhebliche Einschränkung des Anspruchs der REDDITION dar, die sich immer darum bemüht hat, eine ideale Kombination aus Sekundärtexten und Bildbeispielen zu bieten, und im vorliegenden Fall ist es jammerschade, dass das Lebenswerk von William M. Gaines ohne Zitate des herausragenden Artworks von Zeichnern wie Jack Davis, Al Feldstein, Harvey Kurtzman, Graham Ingels u.v.a. dargestellt werden muss. Nichtsdestotrotz kommen einige sehr schöne Fotodokumente zur Veröffentlichung, die mir von Cuno Affolter und Herbert Feuerstein zur Verfügung gestellt wurden und die einen Blick auf den Menschen Bill Gaines und seine Arbeit erlauben.

REDDITION 62 wird als »Notausgabe« nur für Abonnenten und Vorbesteller erscheinen und einen geringeren Umfang von 52 Seiten haben. Das Cover wird wie gewohnt in Farbe gedruckt, der Inhalt wird Schwarzweiß sein. Aufgrund der geringeren Verbreitung und Auflage kostet Ausgabe 62 der REDDITION trotz des geringeren Umfangs 10 Euro.

** Eine Anfrage der REDDITION im Februar nach einer Genehmigung zur Verwendung von einer oder zwei Abbildungen für das geplante Cover, das ein Foto von William M. Gaines zusammen mit markanten Figuren seiner Heftserien kombinieren sollte, sowie der korrekten Quellenangabe für die Verwendung von Bildzitaten aus den EC-Heftserien stellte sich als erster Schritt in eine mehrere Monate dauernde Verhandlung heraus. In deren Verlauf verlangte Gaines Agent Inc. nicht nur eine komplette Liste der verwendeten Abbildungen, sondern auch eine Übersetzung sämtlicher Artikel des EC-Dossiers der REDDITION ins Englische. Während eine vollständige Liste der für die Artikel relevanten und verwendeten Illustrationen erfahrungsgemäß erst kurz vor Drucklegung feststeht (und damit nicht rechtzeitig für einen ausgedehnten Genehmigungsprozess), ist eine Übersetzung von Artikeln »zur Kenntnisnahme« für ein Magazin mit kleiner Auflage wie die REDDITION schlichtweg nicht bezahlbar.